Faltenstiefel

Der Bauer der Dachauer Gegend trug seit der Jahrhundertwende (um 1800) zu besonderen Anlässen die hohen Faltenstiefel. Die Stiefelmode kam höchstwahrscheinlich mit den Veteranen der Bündniskriege gegen Napoleon I. in die bäuerliche Kleidung, während man bis dahin Halbschuhe zu Kniehosen trug.

Wenn man Bilder bayerischer Militärtrachten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts betrachtet, so wird die große Ähnlichkeit mit den Dachauer Bauernstiefeln ins Auge fallen.

Die Stiefel aus schwarz gefärbtem Leder reichen mit ihrem Schaft bis an das Knie und weisen um den Knöchel zahlreiche Falten auf.

Naturgemäß hat jeder Lederstiefel die Tendenz sich zwischen dem Kropfabschluß und dem Anfang des Schaftes in Falten zu legen. Um die Faltenbildung aber nicht dem Zufall zu überlassen, brachte der Schuster bei den Stiefeln vier bis fünf künstliche Falten mit einem eigens hierfür angefertigten Werkzeug an.

Das zur Bildung der Falten ausersehne Leder, meist Naturgegerbtes von acht bis neun Monate alten Kälbern, wurde in lauwarmes Wasser eingelegt und mittels Stiefelhölzer bis zur gewünschten Form mit großem Aufwand bearbeitet.

Der Absatz des Stiefels war nicht flach und derb, sondern verlieh mit seiner geschweiften Form dem Meisterstück eine gewisse Eleganz.

Ein Streifen aus hellerem Leder konnte den oberen Rand des Schaftes zusätzlich schmücken.

Dieses Schuhwerk, das ein kleines Vermögen kostete, war natürlich nicht für die Arbeit auf dem Feld gedacht und geeignet, sondern gehörte zum Sonntagsstaat des Bauern.

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Samtweste und Janker

Einzige farbliche Auflockerung in die dunkel gehaltene Kleidung brachte die Weste, auch Wams oder Gilet genannt.

Zu der Zeit, als blaue Janker mit Stehkragen üblich waren, trug man Westen, ganz aus rotem Tuch gearbeitet.

Später setzte sich das Wams aus Presssamt durch, im Grundton rot bis violett und häufig mit Blümchen bestickt.

Die Rückseite war stets aus billigerem Futterstoff in derselben Farbe gehalten, die Vorderseite aus Samt oft noch etwas auswattiert, damit der Träger einen "Wohlstandsbauch" vorzuweisen hatte.

Da der Janker immer offen getragen wurde, waren die zweireihig angeordneten kleinen Knöpfe, manchmal vom Silberschmied gefertigte Filigranarbeit, gut zu sehen.

Wer es sich leisten konnte verwendete anstelle der Knöpfe zehn-, zwanzig-, oder gar dreißig-Kreuzer-Geldstücke.

Diese Silberstücke hatten damals noch viel Wert, so dass möglicherweise mancher reiche Bauer an Weste und Janker mehr Geld hängen hatte, als ein armer "Fretter" im Jahr verdiente.

Der Janker war meist in schwarz, blau oder braun gehalten. Anfangs waren die Janker kurz geschnitten, mit kleinem Schößchen auf der Rückseite, hohem Stehkragen, knöpfbarem Revers und zweireihig angeordneten Knöpfen.
Gegen 1860 veränderte sich dieses Kleidungsstück.
Zunächst wurde der Stehkragen umgelegt, aus dem knöpfbaren Revers wurde ein Schalkragen und der, zu dieser Zeit fast ausschließlich schwarze Janker, erhielt einen weiteren Schnitt.

Dies hatte seinen Sinn wohl darin, Taille zu kaschieren und Bauch vorzutäuschen, was Wohlstand und somit gesellschaftliche Achtung und Höherstellung bedeutete.

Die letzte, uns bekannte Form des Jankers hatte anstelle des Schalkragens wieder ein Revers, wobei der Kragen nun mit Samt besetzt war.

Samtwesten

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Lederhose

Die Hose war ursprünglich knielang und wurde mit Halbschuhen getragen. Mit dem Wechsel zu den Faltenstiefeln wurde die Hose nun knöchellang und in den Stiefeln getragen (ungefähr ab 1850).

Sie war ebenso schwarz, und aus Hirschleder oder dem noch weicheren Bockleder gefertigt.

Die ältere Form der langen Lederhose wies einen schmalen, durch Knöpfe gehaltenen Hosenlatz auf und konnte durch weiße, aufgelegte Nähte "bestickt" sein.

Die Hose, wie sie heute noch von Trachtenfreunden getragen wird, ist ohne jegliche Zierde, wobei der Hosenlatz jetzt fast nicht mehr sichtbar, breit geschnitten bis weit über die Taschen reicht.

Im Gegensatz zu den sichtbar getragenen, dekorativen Hosenträgern der Gebirgstrachten wurde diese Lederhose von einfachen, unterhalb der Weste "versteckten" Hosenträgern gehalten.

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Hemd

Eigene Erwähnung verdient dieses Kleidungsstück aus weißgebleichtem Leinen, hinter dessen ansehlicher Erscheinung man nicht einen solch einfachen Schnitt vermutet.

Drei rechteckige Teile für Körper und Arme, mit einem Loch für den Halsausschnitt und die Blende stellen die Grundform dar.

Mit einigen "Zutaten", wie Manschetten, kleiner Kragen, Knopfleiste und quadratischer Zwickel unter dem Arm, wurde ein an Schulter und Rücken bis zur Paßform reichlich gefälteltes Hemd genäht.

Darin konnte sich der Träger auch ohne Joppe noch sehen lassen!

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Gvattersrock

Ab der Verehelichung durfte der Mann, bisher den Janker tragend, den "Gvattersrock" oder Kirchenrock anziehen.
Es war ein zweireihiger Gehrock aus meist schwarzem Tuch, er konnte aber auch blau oder braun sein, wurde offen getragen und reichte bis zu den Knien.
Ähnlich der reichlich gehaltenen "Schinkenärmel" am Spenzer der Frauentracht polsterte man auch hier die Armkugeln des Rockes, damit er "etwas gleichsah".

An Anzahl und Größe der silbernen "Knöpfe" am Rock konnte man den Wohlstand des Trägers ablesen.

Vorne, in zwei Reihen, oft zwölf Silbertaler und auf der Rückseite über den Schößen nochmals zwei, also insgesamt 14 Silbertaler, waren keine Seltenheit.
Sie bildeten auch die einzige Zier, denn Kragen und Ränder fasste man mit einfachen Borten aus Stoff ein.

Der "Gvattersrock" blieb aber nur besonderen Anlässen wie Amtsbesuchen, Feiertagen und natürlich dem Kirchgang vorbehalten.
Sonst trug auch der ältere Bauer den kurzen Janker.

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Binder

Ein Binder um den Hals durfte nicht fehlen, wozu in früheren Zeiten ein schwarzer Bauernflor verwendet wurde.

Später nahm man ein buntseidenes Halstuch, wobei es so gebunden wurde, dass vom Hemdkragen nichts mehr zu sehen war.

Aber auch ein schmales Seidenband in blau oder rot, so gebunden, dass über der zugeknöpften Weste nur der Knoten zu sehen war, konnte um den Hals getragen werden.

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Hut

Die Kopfbedeckung des Mannes veränderte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts sehr deutlich.

Auf einer Darstellung um 1800 wir der Bauer mit einem sehr breitkrempigen Hut gezeigt.

Während des Jahrhunderts, bis zum Erlöschen der Tracht, wurde der Hut immer kleiner, aus schwarzem Filz oder Samt und mit gebogener Krempe.
Außer einem Hutband und der schmalen Einfassung, beides aus schwarzer Seide, wies der Hut keinen Schmuck auf.

In der heutigen Zeit werden neben dem Vereinsabzeichen und Blumen auch noch andere Hutzeichen getragen.